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Raus aus der Opferrolle!

 Sind Sie ein "Gesprächsopfer"?

Gesprächsgewalt - So wehren Sie sich!

Sind Sie ein "Gesprächsopfer"?

Gesprächsgewalt - So wehren Sie sich!

Ein Gespräch ist mit einem Ballspiel vergleichbar, entweder mit einem oder mit mehreren Partnern.
Wer etwas sagt, wirft den Ball.
Wer darauf antwortet, hat ihn aufgefangen und spielt ihn zurück.

Für Gespräche gibt es unterschiedliche Anlässe:

Im besten Fall ist ein Gespräch erfreulich, informativ und befriedigend.
Im schlimmsten Fall fühlen Sie sich dabei oder hinterher klein, unterlegen, unfähig, blockiert, missachtet und/oder verwirrt. Daran erkennen Sie, dass Sie das Opfer von Gewalt geworden sind, die durch das Gespräch ausgeübt wurde.

Die häufigsten "Tatorte"

Motivation für Gesprächstgewalt

Der Gewaltausübende hat immer eins von zwei Motiven, oder beide:

  1. Machtausübung und Sicherung des Machtgefälles zu seinen Gunsten
  2. Entladung von emotionalen Erregungen

Diese Motive können bewusst, halbbewusst oder komplett unbewusst sein.
Im Folgenden stelle ich Ihnen 13 der häufigsten Strategien vor, durch die sich der Gesprächspartner hilflos und einfach mies fühlen soll.

Die gute Nachricht: Es gibt sehr einfache Gegenstrategien!
Diese verrate ich Ihnen natürlich ebenfalls.

Einfache Gegenstrategien

Hier schon einmal die wichtigsten, die für alle Gesprächssituationen gelten:

Die häufig eingesetzten "Gesprächswaffen"

Hier nun die beliebstesten "Gesprächswaffen" im Überblick:
1. Schweigen
2. Überschütten - Brüllen - Weggehen
3. Vorwürfe - Anklagen
4. Unterstellungen
5. Interpretationen
6. Beschimpfen
7. Bedrohen
8. Wiederholen
9. Rhetorische Fragen
10. Intime Fragen
11. Scheinheilige Fragen
12. Mit Mehrheiten arbeiten
13. Unter Zeitdruck stellen

1. Schweigen
Damit sollen Sie verunsichert, aber auch zu unbedachten Äußerungen gebracht werden, die dann gegen Sie verwendet werden können.
Hintergründe
Schweigen des Gegenübers ist, als ob er den Ball vor seinen Füßen ablegt und sich nicht mehr bewegt. Sie können nun herumreden (ihm eigene Bälle zuwerfen, in der Hoffnung, dass das Spiel weitergeht) oder Ihrerseits etwas fragen, um ihm den Ball zu entlocken.
In unserer Gesellschaft ist Schweigen in Gesellschaft eine Art Tabu. Die meisten Menschen empfinden Schweigen wie ein Vakuum, in das sie hineinreden müssen, sonst fühlen sie sich unbehaglich und angespannt.
Wer im Gespräch schweigt und den anderen zum Reden bringt, steuert nicht nur, er demonstriert auch die Überlegenheit seiner Nervenstärke: Ein Merkmal des "Alphatiers" ist es, Spannung aushalten zu können und sie nicht ausagieren zu müssen.
Wer das Schweigen nicht aushält, befindet sich in der inneren Situation eines Kindes, dem der lebensnotwendige Kontakt zu Mutter oder Vater entzogen wird. Zuende gedacht, bedeutet das Angst vor der Vernichtung, die verlassenen oder bedrohten sehr kleinen Kindern droht.
Mit einem schweigenden Gegenüber wissen wir nicht mehr, mit welcher Stimmung wir es zu tun haben und was gleich kommt. Wir verlieren den Kontakt und den "Faden".
Desorientierung ist ein wirksamer Trigger für alte, aber noch vorhandene Erregungen und Ängste aus Kindheitssituationen.
Gegenstrategien
Üben Sie selbst schweigen und schweigen Sie im Ernstfall zurück! Das gilt besonders, wenn Sie zu einem Gespräch gezwungen werden, beispielsweise von Ihrem Chef.
Wenn Sie merken, dass Schweigen von der Gegenseite angesagt ist, lehnen Sie sich möglichst mit dem Rücken an die Lehne, richten Sie sich gewissermaßen gemütlich ein, atmen Sie gleichmäßig bis in den Bauch und sprechen Sie innerlich mit Ihrer Anspannung wie mit einem kleinen KIind. Versichern Sie ihm, dass Sie, die oder der "Große", die Situation managen wird und dass es in Sicherheit ist.
Ich empfehle hierfür, keinen durchgehenden Augenkontakt zu halten, da das beim Gegenüber schnell als entweder ängstliches Fixieren oder als Drohstarren ankommt.
Oft folgt auf längeres Schweigen ein "Nun?" oder "Was sagen Sie dazu?", auch wenn der Gesprächsfaden gar nicht klar ist. Dafür hilft die einfache Gegenfrage: "Welcher Punkt interessiert Sie besonders?" Damit haben Sie den Ball zurückgegeben.

Die folgenden Gesprächswaffen sind eng miteinander verwandt; dennoch benötigen Sie unterschiedliche Gegenwehr- Strategien:

2. Überschütten - Brüllen - Weggehen
3. Vorwürfe - Anklagen
4. Unterstellungen
5. Interpretationen
6. Beschimpfen
7. Bedrohen

Hier im Einzelnen:

2. Überschütten - Brüllen - Weggehen
Leider immer noch verbreitet, auch in geschäftlichen Situationen. Hier haben Sie es mit einem Gesprächsfeind zu tun, der ausschließlich sein Anliegen durchdrücken und seine Erregung loswerden will (er schmettert den Gesprächsball wie eine Waffe gegen Sie) und nicht fähig oder Willens ist, auch Ihren Erwiderungen zuzuhören.
Hintergrund
Einfach und vermeintlich billig zu haben sind die Siege, die sich diese Anwender versprechen. Nach dem Motto "Wer am lautesten brüllt, bekommt am meisten Recht und spart sich echte Auseinandersetzungen" üben solche Menschen oft eine jahrelange Schreckensherrschaft aus. Auch eine tiefe Hilflosigkeit ist spürbar: Wer herumbrüllt und dann weggeht, hat wirklich keine anderen Strategien zu Verfügung, mit unterschiedlichen Standpunkten umzugehen.
Gegenstrategien
Passiert Ihnen das dreimal mit derselben Person, sollten Sie sich vor der Gewalt schützen, indem Sie jedes weitere Gespräch verweigern. Schützen Sie sich konsequent! Geht es um rechtlich relevante Inhalte, übergeben Sie die Angelegenheit Ihrem Anwalt, dem Betriebsrat oder einem Schiedsmann, Ombudsmann. Im privaten Bereich können Sie sich eine dritte Person als Moderator oder Mediator suchen, der die Gesprächskultur schützt und das Gespräch strukturiert. Hilft auch das nicht, ist eine Trennung von einem solchen Menschen das Beste für Sie.
Als letzten Versuch können Sie eine schriftliche Mitteilung verfassen, in der Sie klar machen, unter welchen Bedingungen Sie zukünftig gesprächsbereit sein werden.
Behalten Sie auch im Auge, dass andere Menschen uns soviel Respekt und Achtung entgegenbringen wie wir es selbst uns gegenüber tun. Fragen Sie sich also auch, was Sie dazu beitragen, dass Sie sich in solche Situationen bringen.

3. Vorwürfe - Anklagen
Damit wird immer die Schuldkarte gezogen: Sie sollen erschrecken, zusammensinken und sich fragen: "Habe ich was falsch gemacht? Bin ich schuld?" Damit ist die Überlegenheit des anderen schon einmal sichergestellt.
Hintergrund
Wer den Schuldknopf zu drücken versucht, möchte sich in die Position eines Elternteils, ja sogar in die von Gott bringen. Sowohl Eltern als auch Gott lassen sich bekanntlich nicht in Frage stellen. Auch eine bequeme Art, sich die Vorherrschaft und die Macht zu sichern!
Diese Karte sticht nur bei Menschen, die von ihren Eltern mit Vorwürfen, Anklagen und Schuldzuweisungen klein gehalten wurden. Bei diesen läuft allerdings gleich ein ganzes emotionales Programm ab, angefangen vom Erschrecken über die Frage "Was habe ich angestellt?" bis zum Knick des Selbstwertgefühles.
Gegenstrategien
Im ersten Schritt nehmen Sie sich am besten Ihres "Schuldprogramms" an und erforschen, auf welche Schlüsselsätze Ihre Schuldknöpfe anspringen. Stellen Sie die Verbindung zu Ihrer Lebensgeschichte her: Wie und wann haben Sie gelernt, so zu reagieren?
Im zweiten Schritt sorgen Sie dafür, dass Sie immer einen Stift und einen Notizblock dabei haben. Geht die Vorwurfsarie los, zücken Sie beides und bitten Ihren Gesprächsfeind, etwas langsamer zu sprechen, vielleicht mit dem Satz: "Ich möchte genau verstehen, womit Sie unzufrieden sind." Machen Sie sich stichwortartige Notizen. Ist Ihr Gegenüber fertig, rekapitulieren Sie jeden Punkt kurz und beziehen Sie auf der rein faktischen Ebene Stellung dazu.
Merksatz: Vorwürfe und Anklagen gehören auf der ZDF-Ebene behandelt (Zahlen - Daten - Fakten). Lassen Sie sich auf nichts anderes ein!
Wenn Sie geübter sind, können Sie auch die Empathiekarte spielen, bevor Sie zum ZDF übergehen, indem Sie beispielsweise sagen: "Das macht Sie sehr ärgerlich." Oder: "Da scheint einiges schiefgelaufen zu sein, und ich helfe gern dabei, das zu klären."
Dafür sollten Sie Ihre eigene Erregung aber schon gut selbst befürsorgen können, sonst kommt leicht ein falscher Ton heraus.

Mit der Rekapitulation, der ZDF-Ebene und der empathischen Erwiderung nehmen Sie Ihrem Gegenüber den Wind aus den Segeln, signalisieren, dass Sie sein Anliegen ernst nehmen und stellen sich auf eine gleichwürdige Ebene mit ihm.

4. Unterstellungen
Davon gibt es unbeabsichtigte aufgrund von Fehlinformationen und absichtliche mit dem Ziel, Sie unsicher und gefügig zu machen.
Gegenstrategien
Im ersten Fall gehen Sie vor wie unter Punkt 3. beschrieben.
Für den zweiten Fall gibt es wiederum zwei Varianten: Entweder Sie können Belege beibringen, dass die Behauptungen falsch sind. Dann nennen Sie sie beziehungsweise nennen Sie einen genauen Termin, zu dem die Belege vorliegen werden und schlagen vor, das Gespräch dann weiterzuführen.
Oder Sie haben keine Beweise dafür.
Dann sagen Sie das als erstes. Bleiben Sie ganz erwachsen und auch diszipliniert bei den Fakten: Nehmen Sie eine Gegendarstellung vor und bitten um die Belege und Beweise für die Behauptungen.
Sagen Sie auch, dass Sie recherchieren werden, ob es Zeugen für Ihre Darstellung gibt und schlagen wiederum eine Fortsetzung des Gespräches auf einen Termin vor, bis zu dem Sie realistischerweise Zeugen, eine Rekonstruktion des Vorgangs oder ähnliches vorlegen können.

Eine weitere Variante ist das Ziel, Sie an die Luft zu setzen mit Hilfe von falschen Behauptungen und vielleicht sogar gefälschten Beweisen.
Dem können Sie vorbeugen, wenn Sie sich bei den Kollegen um ein freundlich-sachliches Klima bemühen und sauber und nachvollziehbar arbeiten. Sehr wichtige Vorgänge, aus denen Ihnen durch Fälschungen ein Strick gedreht werden könnte, sollten Sie als Zweitschriften aufheben. Solch ein Aufwand ist natürlich nur sinnvoll, wenn es eine gewisse Wahrscheinlichkeit für böse Absichten gibt.

5. Interpretationen
Auch "das Wort im Munde herumdrehen" genannt. Diese Art Gespräch führt direkt in die Hölle der Meta-Ebenen: "Nein, DU hast doch gesagt ... " - "Das hast Du ganz falsch verstanden! Ich meinte ...."
Hintergrund
Halten Sie sich einfach die schlichte Erkenntnis vor Augen: "Jeder hört, was er will." Das sogenannte selektive Gedächtnis kombiniert mit Umdeutungen wird häufig als Gesprächswaffe eingesetzt. Oft ist das bohrende Gefühl, nicht verstanden zu werden, der Grund, auch den anderen misszuverstehen.
Gegenstrategien
Wiederholen Sie jede Aussage Ihres Gegenübers als Kernsatz, mit der Frage: "Habe ich das richtig verstanden?" Geben Sie Ihrem Gegenüber Zeit, sich erst einmal zu entladen, bevor Sie versuchen, Ihre eigenen Ansichten ins Spiel zu bringen. Erst wenn Ihr Gegenüber ruhiger wird (das erkennen Sie daran, dass kleine Pausen im Redeschwall entstehen), versuchen Sie, ob Sie schon Gehör finden. Wenn Ihr Gesagtes uminterpretiert wird, wiederholen Sie wieder und fragen Sie, ob Sie das richtig verstanden haben ("Hast Du herausgehört ...?").
Solange Ihr Gegenüber aufgeregt ist, haben Sie kaum Chancen, seinen Interpretation und Umdeutungen zu entkommen und wirklich gehört zu werden. Also gehen Sie in Vorleistung - Sie werden sich wundern, wieviel Offenheit für Ihre Ansichten nach erfolgter Entladung Ihres Gegenübers möglich wird!
Das kostet allerdings viel Geduld und Selbstdisziplin.
Machen Sie sich also immer wieder klar, dass sonst einfach die Missverständnisse und Fehlinterpretationen eskalieren.
Diese Strategie wirkt übrigens nur, wenn Ihr Gegenüber keine bewusst bösartigen Absichten hegt.
In dem Fall sollten Sie sich mit einem Aufnahmegerät bewaffnen und bei Bedarf ankündigen, dass Sie nur noch rekonstruierbar kommunizieren. Denn dann brauchen Sie wiederum die ZDF-Ebene!

6. Beschimpfen
Für einen erwachsenen Menschen ist es unwürdig, sich beschimpfen zu lassen (Für Kinder und Jugendliche auch; die kommen nur leider meist nicht so schnell weg, wie es gut wäre für sie).
Gegenstrategien
Gehen Sie da weg! Lassen Sie sich nicht auf Kampf und Krieg ein!
Der Eskalation zur körperlichen Gewalt gehen meistens Beschimpfungen vorweg; füttern Sie diese drohende Eskalation nicht mit Ihrer Gegenwart!
Nutzen Sie, wenn möglich, eine ruhige Minute, um mit Bestimmtheit klarzumachen, dass Sie gesprächswillig sind, wenn eine sachliche Form eingehalten wird. Und dass Sie den Raum verlassen werden, wenn das Gespräch wieder in Beschimpfungen ausartet.
Untersuchen Sie auch, ob Sie selbst beschimpfen - Mitarbeiter, Partner, Nachbarn, Ihre Kinder?
Wenn Sie eigene Tiraden nicht aufhalten können, gehen Sie in einen anderen Raum und schimpfen Sie dort weiter. Denn Sie haben das Recht, Ihre Aufregung zu entladen, aber wenn Sie einen Menschen beschimpfen, wird immer großer Schaden angerichtet!

7. Bedrohen
Es gibt das Drohen aus der Erregung heraus. Hier gilt das Gleiche wie unter Punkt 5. beschrieben.
Das kalkulierte Drohen dient natürlich wieder dazu, Sie einzuschüchtern.
Gegenstrategien
Wenn Sie es schaffen, Ihr drohendes Gegenüber als interessantes Objekt zu betrachten, mit der Fragestellung im Hintergrund: "Was will er / sie eigentlich" Wie weit würde er / sie gehen mit den Drohungen?", könnten Sie sich auf zwei Wörter als Gesprächbeitrag beschränken.
Sie fragen einfach zurück: "Und dann?"
Dann kann Ihr Gegenüber richtig ausholen, und Sie bekommen wahrscheinlich eine ganze Menge nützliche Informationen: Wie konkret ist die Umsetzung der Drohungen? Welche Phantasien werden da drüben gehegt? Was steckt dahinter?
Aber Achtung: Widerstehen Sie der Versuchung, "Und dann?" süffisant oder ironisch zu betonen, denn damit gießen Sie Benzin ins Feuer.
Fragen Sie sachlich und interessiert!
Das weitere Vorgehen richtet sich dann natürlich nach dem, was Sie erfahren.

8. Wiederholen
Ein Gesprächsgegenüber, das seine Aussagen mehrmals wiederholt, vielleicht sogar in einer Endlosschleife droht steckenzubleiben, kann einem den letzten Nerv und viel Zeit rauben. Oft ist dieses Verhalten bei Telefonaten zu hören. Und Sie fühlen sich womöglich als ein Mensch behandelt, der so begriffsstutzig wie ein kleines Kind ist, dem man das Gesagte mehrmals tief ins Gehirn fräsen muss, damit es "sitzt".
Hintergrund
Menschen, die ihrer eigenen Durchsetzungskraft nicht trauen und daher unsicher sind, ob sie gehört und verstanden werden, greifen im Gespräch oft zu mehr Quantität ("mehr vom Selben") als zur Qualität.
Am Telefon kommt hinzu, dass sie ihren Gesprächspartner nicht sehen, also nicht kontrollieren können, ob er vielleicht nur so tut, als ob er zuhört.
Auch einsame Menschen und solche, die früh verlassen wurden, versuchen auf diese Seite, den Kontakt zu "strecken".
Gegenstrategien
Spätestens wenn die dritte Wiederholung beginnt, gern aber auch schon bei der zweiten, ergreifen Sie das Wort und sagen: "Ich habe folgendes verstanden: ..... Ist das so richtig?" Wenn nachgebessert wird, dann wiederholen Sie die Korrektur gleich. Wenn eine neue Wiederholung droht, unterbrechen Sie wieder und sagen: "Ich glaube, wir haben alles besprochen." Und beenden das Gespräch freundlich, aber bestimmt.

Jetzt kommen drei zerstörerische Frage-Arten:

9. Rhetorische Fragen
10. Intime Fragen
11. Scheinheilige Fragen

Ein hübscher Trick bei allen tückischen Fragen ist es, sich einen Moment Zeit zu nehmen und sich darüber klar werden, welche Frage Sie gern beantworten würden oder welche Frage Sie wichtig finden - und dann antworten Sie auf diese Frage! (Erfunden haben das übrigens die Politiker!)

Hier wieder im Einzelnen:

9. Rhetorische Fragen
Ein wenig benachbart zum Wiederholen ist die Angewohnheit, rhetorische Fragen zu stellen. Was Vorträge interessant machen kann, bewirkt in Gesprächen eher Unwillen und Ungeduld, denn die Gesprächspartner fühlen sich zu Recht zum Publikum degradiert. Sie sollen der Selbsterhöhung des Sprechers dienen.
Hintergrund
Der Sprecher will die Zügel des Gesprächsverlaufes nicht aus der Hand geben. Er lenkt die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf manipulative Art.
Gegenstrategien
Sie können einen Menschen, mit dem ein Gespräch vereinbart war und der zum Referenten mutiert, kräftig ärgern, indem Sie bei jeder rhetorischen Frage einhaken und Ihre eigene Meinung dazu sagen. Und wenn Sie schon mal am Ball sind, werfen Sie diesen doch in die Richtung, in die SIE wollen!
Ein "Vortragender" ist oft sehr schnell, so dass Sie vielleicht erst das Wort an sich reißen können, wenn er seine Frage schon beantwortet hat. Macht nichts! Sprechen Sie ihm einfach dazwischen und sagen beispielsweise: "Um noch mal auf Ihre letzte Frage zurückzukommen: Ich bin der Meinung, dass .... ."
Damit schicken Sie zwei Signale ab: "Ich nehme Dich und Deine Fragen ernst; sie interessieren mich." Und: "Ich lasse nicht zu, dass Du mich dominierst und manipulierst. Wir sind hier ganz gleichberechtigte Leute."

10. Intime Fragen
Fragen, die den gesellschaftlich vorgegebenen Rahmen sprengen, verunsichern und entblößen. Ein Gespräch, in dem intime Fragen gestellt werden, bekommt den Beigeschmack eines Verhöres und wird als übergriffig erlebt.
Hintergrund
Besonders Menschen, die als Kinder streng verhört und gestraft wurden, sind mit dieser Gesprächswaffe kleinzukriegen. Gehören Sie zu dieser Zielgruppe, sorgen Sie für sich! Entwickeln Sie Ihre Wehrkräfte und grenzen Sie sich klar und deutlich ab.
Gegenstrategien
Da gibt es gleich mehrere; wählen Sie so, wie es am besten zum Anlass passt.
Eine Möglichkeit: Sie erwidern: "Ich frage mich, wie es Ihnen gehen würde, wenn Ihnen diese Frage gestellt wird?"
Kürzer ist die Variante: "Sie zuerst!"
Die ehrliche Variante: "Ich finde die Frage unangemessen und beantworte sie nicht."
Die Gegenfrage: "Woher werden Sie wissen, ob ich auf diese Frage ehrlich antworte? Würden Sie das?"

11. Scheinheilige Fragen
Besonders gemein, weil oft sehr subtil und darauf angelegt, dass Sie sich lächerlich machen und dumm dastehen, sind die scheinheiligen Fragen. Das sind solche, deren Antwort der Frager bereits kennt.
Oder umgekehrt, der Sprecher tut so, als ob er die Antwort hat ("Bei Ihnen ist es doch so und so ..., nicht wahr?") und lockt in Wirklichkeit wichtige Informationen heraus. Bei sogenannten Medien und Hellsichtigen wird diese Frageart gern benutzt und läuft unter dem Begriff "Cold Reading". Hierbei werden auch die kleinen Hinweise aus Körpersprache, Mimik, Gestik, Zögern, Nicken etc. ausgewertet.
Hintergrund
Der oft erst einmal freundliche Tonfall lockt den Gefragten aufs Glatteis.
Viele Menschen sind ausgehungert nach Interesse an sich und ihren Gedanken, außerdem nicht geübt und naiv in Bezug auf gestellte Fallen.
Gegenstrategien
Leider sind Fallen ja meist erst zu erkennen, wenn man drinsitzt. Und prinzipiell anzunehmen, dass in jeder freundlichen Frage eine gespannte Bärenfalle lauert, tut Ihren Mitmenschen unrecht und schadet Ihren Kontakten.
Sie können es also nur darauf ankommen lassen. Aber wenn Sie einem bestimmten Gesprächstpartner auf den Leim gegangen sind, hüten Sie sich in Zukunft.
Da könnte es hilfreich sein, dass Sie sich ganz bewusst einen Moment Zeit zu nehmen, bevor Sie antworten, und sich selbst fragen, was diese Frage bezweckt und ob der andere die Antwort kennen könnte.
Wenn ja, hilft zunächst einmal die Gegenfrage: "Das wissen Sie nicht? Das überrascht mich etwas!", um dann, wenn nötig, nachzuschieben mit: "Dazu gibt es natürlich mehrere Sichtweisen." oder "Ich habe verschiedene Antworten dazu gehört, zum Beispiel ...." Oder auch, wenn diese Varianten nicht in Frage kommen, wieder die altbewährte Rückfrage: "Da könnte ich jetzt weit ausholen. Welcher Aspekt interessiert Sie denn am meisten?" So halten Sie sich erst einmal in Deckung, bis Sie genauer wissen, wie der Hase läuft.

12. Mit Mehrheiten arbeiten
Ein weiterer verbreiteter Trick, mit dem die eigene Vorherrschaft gesichert wird, ist das Herstellen einer Mehrheit. Das funktioniert, indem einer der Gesprächspartner

Der Effekt liegt auf der Hand: Die Minderheit ist unterlegen und hat bei unterschiedlichen Ansichten ganz schlechte Karten.
Gegenstrategien
Die ersten beiden Varianten erfordern nur ein getreues Spiegeln und etwas Münchhausen-Talent:

Die tatsächlich entstehende Mehrheit sollten Sie sich nicht gefallen lassen, denn Ihre Chancen, argumentativ gegen eine Mehrheit anzukommen, die sich dazu verabredet hat, Sie anzugreifen, gehen gegen Null. Sagen Sie einfach: "Lassen Sie uns einen neuen Gesprächstermin vereinbaren, wenn wir gleiche Chancen haben. Dann geben Sie mir bitte Bescheid, mit wie vielen Personen Sie anzutreten gedenken, und ich werde genauso viele Begleiter mitbringen." und gehen Sie. Vergessen Sie nicht: Wenn so viel Aufwand um Sie getrieben wird, dann müssen Sie als wichtig und potenziell gefährlich eingestuft werden, daher können Sie es sich leisten, Bedingungen zu stellen!

13. Unter Zeitdruck stellen
Wenn es um Entscheidungen oder Unterschriften (Käufe, Verträge, Vereinbarungen u.ä.) geht, wird gern mit einem künstlichen Zeitdruck gearbeitet.
Nach dem Motto "Jetzt oder nie" soll bei Unentschlossene, deren innere Fürs und Widers etwa gleich stark sind, das Zünglein an der Waage einen kräftigen Schubs in die gewünschte Richtung erfahren.
Beliebt ist auch die Variante, ganz baldige Termine mit den ach so zahlreichen anderen Interessenten, die schon auf diese Gelegenheit brennen, ins Spiel zu bringen. (Oder haben Sie bei einer Wohnungsbesichtigung schon einmal erlebt, dass der Makler oder Vermieter sagt: "Außer Ihnen gibt es keine Interessenten."?)
Die Quote an Fehlentscheidungen und Quatschkäufen, die mit Hilfe dieser Masche zustande kommen, ist enorm hoch.
Hintergrund
Wir sind alle Schnäppchenjäger. Vermeintlich billig an etwas Kostbares oder nur selten Angebotenes zu kommen, oder der auserwählte Mensch zu sein, der den Sieg über andere Konkurrenten davonträgt, das ist einfach menschlich.
Unter Stress wollen wir vor allem Entscheidungsdruck schnellstens loswerden und gespürte (wenn auch vielleicht geschürte) Bedürfnisse erfüllen (das "eBay-Prinzip").
Die Ebene der kühlen Abwägung von Sachargumenten (eine Funktion des Großhirns) hat unter Stress schlechte Karten, denn im akuten Stress greifen wir tendenziell und unwillkürlich zu Verhaltensweisen, die schon bewährt sind zur Überlebenssicherung oder um das innere Behagen schnell wieder herzustellen.
Daher ist absichtlich herbeigeführter Zeitdruck als Stressverursacher erster Güte eine probate Manipulationstechnik.
Gegenstrategien
Wo immer möglich, sollte eine endgültige Entscheidung von Zeitdruck abgekoppelt werden - das altbewährte "Eine Nacht darüber schlafen". Denn über Nacht haben die ganzen Fürs und Widers Zeit, sich miteinander zu unterhalten und am nächsten Morgen eine stimmige Entscheidung leichter zu machen. Ein stimmiges Gefühl nennen wir auch gern eine "Bauchentscheidung".
Ist die Aufschiebung einer Entscheidung nicht möglich, können Sie im Gespräch um eine kleine Bedenkzeit bitten und sich Ihre Fürs und Widers in jeweils eine Liste notieren. Setzen Sie ohne großes Grübeln hinter jeden Punkt eine Zahl zwischen 1 und 100, wobei 1 für "vernachlässigbar" und 100 für "absolut lebensnotwendig" steht.
Zum Schluss addieren Sie die Summe jeder Liste und vergleichen.
So bekommen alle Argumente die Chance, in Ihre Entscheidung mit einzufließen.
Und: Hören Sie sich selbst genau zu! Wenn Sie sich verwirrt fühlen, kann das bedeuten, dass Sie noch nicht alle Informationen haben, die Sie für eine Entscheidung brauchen. Oder dass Ihnen in bestimmten Punkten etwas nicht Zutreffendes erzählt oder unterbreitet wird.
Nehmen Sie Ihre Verwirrung ernst und bestehen Sie auf Klärung, bevor Sie sich festlegen (lassen), nur um den Druck zu mildern!

Diese Aufzählung von gewaltträchtigen Gesprächsstrategien könnte noch um einiges länger sein.
Hier habe ich mich auf die alltäglichsten beschränkt.

Multistrategisch?

Solange eine Strategie angewendet wird, haben Sie gute Chancen, sich mit den Gegenstrategien erfolgreich zu wehren und die Ihnen zugewiesene Opferrolle nicht zu akzeptieren.
Oft kommen aber, besonders in aufgeheizten Situationen, mehrere Tricks gleichzeitig beziehungsweise kurz nacheinander ins Spiel.
Dann gehen Sie einfach zu Punkt 1. und schweigen Sie - Sie können es mit Sprechen ja nur schlimmer machen. Warten Sie, bis Sie gefragt werden, sagen Sie einige Worte und schweigen Sie wieder, wenn Sie, was wahrscheinlich ist, erneut unterbrochen werden.
Dieses Spiel spielen Sie nur solange, wie Sie Lust dazu haben oder es müssen, denn:

Jeder Raum hat eine Tür, durch die Sie ihn verlassen können.

Hier noch ein hilfreicher Merksatz:

Achtung und Respekt bekommen die Menschen, die selbst mit sich und ihrer Lebenszeit
konsequent bewusst und achtsam umgehen.

Ich wünsche Ihnen zunehmend gelingende Gespräche!


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Darüber freue ich mich ...
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"Autorin: Anne Lindenberg
Copyright und Urheberrecht: Anne Lindenberg
Anne Lindenberg arbeitet seit 1996 als Therapeutin und als Coach für berufliche und private Anliegen; seit 1998 als Ausbilderin in dem von ihr entwickelten Ansatz der Psycho-Holistik und seit 1999 als Supervisorin.
Qualifikationen:

Internetpräsenz: http://www.psycho-holistik.de
Kontakt zur Autorin: lindenberg@psycho-holistik.de"

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